Automatisierung

Zapier vs. Make.com: Welches Automatisierungstool lohnt sich?

Zapier oder Make? Wir vergleichen Funktionen, Preise und Komplexität, damit du das richtige Automatisierungstool für dein Business findest. Praxisnah und direkt.

Daily KI Redaktion · · 12 Min. Lesezeit
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Foto: Gabor Koszegi auf Unsplash

Manuelle Datenübertragung ist der Produktivitätskiller Nummer eins. Wenn du heute noch E-Mail-Anhänge händisch in Google Drive speicherst oder Leads aus Facebook-Ads manuell in dein CRM überträgst, verbrennst du Zeit und Geld. Die Lösung heißt iPaaS – Integration Platform as a Service.

In der Welt der No-Code-Automatisierung gibt es zwei unangefochtene Schwergewichte: Zapier und Make (ehemals Integromat). Beide versprechen das Gleiche: Die Verbindung von Apps, die eigentlich nicht miteinander sprechen, um Workflows zu automatisieren. Doch die Philosophie hinter den Tools könnte kaum unterschiedlicher sein.

In diesem Guide erfährst du, welches Tool für dein spezifisches Szenario das richtige ist, wo die versteckten Kosten liegen und warum “einfacher” nicht immer “besser” bedeutet.

Der Kampf der Giganten: Was steckt hinter Zapier und Make?

Bevor wir in die Details gehen, müssen wir das Grundkonzept verstehen. Beide Tools funktionieren nach dem Prinzip Trigger und Action. Ein Ereignis in App A (Trigger) löst eine Handlung in App B aus (Action).

Zapier ist der Pionier. Seit 2011 am Markt, hat das Unternehmen die Automatisierung demokratisiert. Die Benutzeroberfläche ist darauf ausgelegt, dass auch jemand, der noch nie eine Zeile Code gesehen hat, in fünf Minuten einen “Zap” (einen Workflow) erstellen kann. Es ist das “Apple” unter den Automatisierungstools: Es funktioniert einfach, ist schick, aber auch teuer und in seinen Anpassungsmöglichkeiten begrenzt.

Make hingegen ist das Schweizer Taschenmesser für Power-User. Anstatt einer linearen Liste von Schritten bietet Make eine visuelle Leinwand (Canvas), auf der du Workflows wie ein Flussdiagramm zusammenbaust. Du kannst Daten filtern, transformieren, in Schleifen laufen lassen und komplexeste Logiken abbilden, die in Zapier entweder unmöglich oder extrem unübersichtlich wären.

Zapier: Der Goldstandard für Schnelligkeit und Einfachheit

Wenn Zeit deine knappste Ressource ist, ist Zapier schwer zu schlagen. Die Plattform unterstützt über 6.000 Anwendungen. Das ist die größte Bibliothek auf dem Markt. Egal wie nischig dein CRM oder dein Projektmanagement-Tool ist – die Wahrscheinlichkeit, dass Zapier eine fertige Integration hat, liegt bei fast 100 %.

Warum Zapier für Einsteiger unschlagbar ist

Der größte Vorteil von Zapier ist die geführte Einrichtung. Wenn du einen Zap erstellst, wirst du Schritt für Schritt durch den Prozess geleitet. Das Tool schlägt dir Testdaten vor, validiert deine Eingaben und gibt dir sofort Rückmeldung, wenn etwas nicht passt.

Ein typisches Beispiel: Du möchtest, dass jeder neue Lead aus einem Typeform-Formular in einem Slack-Channel gepostet wird.

  1. Trigger wählen: Typeform (New Entry).
  2. Action wählen: Slack (Send Channel Message).
  3. Felder zuordnen (Mapping).
  4. Fertig.

Das dauert weniger als drei Minuten. Für einfache 1-zu-1-Verbindungen ist Zapier die effizienteste Wahl.

Ein weiterer Pluspunkt sind die Zapier Tables und Zapier Interfaces. Damit bewegt sich das Tool weg von der reinen Verbindung von Apps hin zu einer Plattform, auf der man ganze Mini-Apps bauen kann. Das ist besonders für Freelancer spannend, die schnell Kundenportale oder interne Datenbanken ohne Programmierung erstellen wollen.

Make.com: Die visuelle Schaltzentrale für komplexe Workflows

Wer Make zum ersten Mal öffnet, könnte sich kurz wie in einem Cockpit fühlen. Anstatt einer einfachen Liste siehst du Kreise (Module), die durch Linien verbunden sind. Doch genau hier liegt die Stärke.

Datenmanipulation und Logik: Hier glänzt Make

Make wurde für Menschen gebaut, die mehr wollen als nur “A nach B”. In Make hast du volle Kontrolle über jedes einzelne Datenpaket.

Hier sind drei Funktionen, die Make von Zapier abheben:

  1. Router: Du kannst einen Workflow an einer beliebigen Stelle aufteilen. Wenn Bedingung X erfüllt ist, gehe Weg A. Wenn Bedingung Y erfüllt ist, gehe Weg B. Zapier kann das auch (Paths), aber das Feature ist erst in den teureren Tarifen verfügbar und deutlich weniger übersichtlich.
  2. Iteratoren und Aggregatoren: Stell dir vor, du erhältst eine E-Mail mit fünf Rechnungen im Anhang. Mit Make kannst du diese Anhänge einzeln “durchlaufen” (Iterieren), jeden einzeln verarbeiten und am Ende eine Zusammenfassung erstellen (Aggregieren). In Zapier ist so etwas oft ein Albtraum oder benötigt komplexe Workarounds mit Python/Javascript-Code.
  3. Fehlerbehandlung (Error Handling): In Make kannst du explizit definieren, was passieren soll, wenn ein Schritt fehlschlägt. Soll der Workflow gestoppt werden? Soll er es in 5 Minuten nochmal versuchen? Soll ein alternativer Pfad eingeschlagen werden? Diese Granularität bietet Zapier in dieser Form nicht.

Ein konkretes Praxisbeispiel für Make: Ein E-Commerce-Händler möchte Bestellungen aus Shopify verarbeiten. Wenn das Produkt auf Lager ist, soll ein Versandlabel bei DHL erstellt werden. Wenn nicht, soll eine personalisierte Entschuldigungs-Mail an den Kunden gehen und der Lagerist informiert werden. Solche verzweigten Logiken sind in Make visuell sofort erfassbar und einfach zu warten.

Der Preis-Check: Wo bekommst du mehr für dein Geld?

Das ist der Punkt, an dem sich die Geister scheiden. Die Preismodelle sind grundlegend verschieden und lassen sich schwer direkt vergleichen, aber wir versuchen es anhand der harten Fakten.

Zapier Pricing (Stand 2024):

  • Free: 100 Tasks/Monat (nur Single-Step Zaps).
  • Starter: ca. 19 €/Monat für 750 Tasks (Multi-Step Zaps möglich).
  • Professional: ca. 48 €/Monat für 2.000 Tasks (inkl. Pfade und unbegrenzten Schritten).

Das Problem bei Zapier: Ein “Task” ist jede erfolgreiche Aktion. Wenn ein Workflow 5 Schritte hat und 100 Mal läuft, sind 500 Tasks weg. Das wird bei hohem Volumen sehr schnell sehr teuer.

Make Pricing (Stand 2024):

  • Free: 1.000 Operations/Monat.
  • Core: ca. 9 €/Monat für 10.000 Operations.
  • Pro: ca. 16 €/Monat für 10.000 Operations (inkl. Full-Text-Search und Priorisierung).

Auf den ersten Blick wirkt Make extrem günstig. Aber Vorsicht: Eine “Operation” in Make ist nicht gleichzusetzen mit einem “Task” in Zapier. Make verbraucht oft mehr Operations für den gleichen Prozess, da jeder Suchvorgang, jeder Filter und jeder Router als Operation zählt. Dennoch: Selbst wenn Make das Dreifache an Operations verbraucht, ist es in der Regel immer noch 70-80 % günstiger als Zapier bei vergleichbarem Volumen.

Ein Rechenbeispiel: Du verarbeitest 5.000 Leads pro Monat. Jeder Lead benötigt 4 Schritte in der Automatisierung.

  • Zapier: 20.000 Tasks. Kostenpunkt: ca. 300 - 400 € pro Monat.
  • Make: 20.000 - 30.000 Operations. Kostenpunkt: ca. 30 - 50 € pro Monat.

Für Startups und Selbstständige mit hohem Datenaufkommen ist Make der klare Sieger beim Preis-Leistungs-Verhältnis.

Die Integrations-Tiefe: Qualität vs. Quantität

Zapier hat mehr Apps, aber Make hat oft die “tieferen” Integrationen. Was bedeutet das?

Bei Zapier bist du darauf angewiesen, was die Entwickler der App als Trigger oder Action freigegeben haben. Wenn eine bestimmte Funktion fehlt, steckst du fest. Make hingegen bietet ein sehr mächtiges “HTTP-Request”-Modul. Da Make technisch näher an einer API-Struktur arbeitet, ist es oft einfacher, Funktionen einer App anzusprechen, die nicht offiziell im Menü gelistet sind.

Zudem erlaubt Make es, Datenstrukturen (JSON) manuell zu manipulieren, was bei der Anbindung von modernen KI-Tools (wie OpenAI oder Anthropic) ein riesiger Vorteil ist. Wer komplexe Prompts mit vielen Variablen an GPT-4 senden und die Antwort in verschiedene Datenbankfelder zerlegen will, wird mit Make deutlich glücklicher.

Fazit: Welches Tool solltest du wählen?

Es gibt kein “besser”, nur ein “passender”. Die Entscheidung hängt von deinem Budget, deinem technischen Verständnis und der Komplexität deiner Aufgaben ab.

Wähle Zapier, wenn…

  • … Zeit für dich wichtiger ist als Geld.
  • … du einfache Workflows hast (App A zu App B).
  • … du absolut keine Lust auf technische Details oder Logik-Rätsel hast.
  • … du Nischen-Apps nutzt, die nur Zapier im Katalog hat.
  • … dein Team schnell und ohne lange Einarbeitung eigene Automatisierungen bauen soll.

Wähle Make.com, wenn…

  • … du ein begrenztes Budget bei hohem Datenaufkommen hast.
  • … deine Workflows komplex sind (viele Verzweigungen, Schleifen, Filter).
  • … du volle Kontrolle über die Datenmanipulation brauchst.
  • … du Wert auf einen europäischen Serverstandort legst.
  • … du bereit bist, 2-3 Stunden in die Einarbeitung zu investieren, um langfristig mächtigere Tools zu bauen.

Pro-Tipp aus der Praxis: Starte für die ersten schnellen Erfolge mit der kostenlosen Version von Zapier. Sobald du merkst, dass deine Anforderungen komplexer werden oder die monatliche Rechnung für Zapier schmerzt, ist der perfekte Zeitpunkt für den Wechsel zu Make. Die Logik, die du in Zapier lernst, hilft dir auch beim Verständnis von Make – nur dass du dort die Zügel richtig in die Hand nimmst.

Häufig gestellte Fragen

Ist Make.com wirklich günstiger als Zapier?
In den meisten Fällen ja. Während Zapier pro 'Task' abrechnet, nutzt Make 'Operations'. Bei Make erhältst du für ca. 10 $ bereits 10.000 Operations, während Zapier für einen ähnlichen Preis deutlich weniger Aktionen erlaubt. Besonders bei hohen Volumina ist Make deutlich kosteneffizienter.
Kann ich Zapier und Make gleichzeitig nutzen?
Absolut. Viele Unternehmen nutzen Zapier für einfache, schnelle Integrationen von Nischen-Apps und Make für komplexe Datenverarbeitungsprozesse. Es gibt sogar die Möglichkeit, beide Tools über Webhooks miteinander zu verbinden.
Welches Tool ist für Anfänger besser geeignet?
Eindeutig Zapier. Die Benutzeroberfläche ist linear und intuitiv. Make erfordert ein Verständnis von Logik (Iteratoren, Aggregatoren, Fehlerbehandlung), was die Lernkurve am Anfang steiler macht.
Bieten beide Tools deutsche Server an?
Make (ehemals Integromat) ist ein europäisches Unternehmen und bietet die Auswahl eines EU-Rechenzentrums an, was für die DSGVO-Konformität ein großer Vorteil ist. Zapier ist US-basiert, bietet aber Data Processing Agreements (DPA) an.